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Vom Feld bis auf den Teller: Die ganze Kette im Blick
Liebe/r liebe/r Lebensmittelretter/in,
oft sehen wir im foodsharing-Alltag nur das, was am Ende unserer Rettungseinsätze im Rucksack oder im Fairteiler landet. Doch die Geschichten hinter den Lebensmitteln – und die Strukturen, die zu ihrer massenhaften Verschwendung führen – sind weitaus komplexer.
In dieser Ausgabe unseres Newsletters wollen wir genau hinschauen. Wir starten mit einem Essay aus unserer Community, werfen einen Blick auf unsere Bildungsarbeit, updaten euch zu überregionalen foodsharing-Projekten und geben handfeste Tipps für die Saison.
Viel Freude beim Lesen und Mitdenken!
📢 Essay: Der Preis der geretteten Banane

Wir freuen uns sehr, heute einen Gastbeitrag aus unserer Community mit euch zu teilen. Er beleuchtet kritisch, was hinter einer geretteten Frucht stecken kann.
Es waren viele Kisten mit gelben, genau richtig reifen, Bio-Bananen, die es letzte Woche im Fairteiler zu retten gab. Viele Menschen haben sich darüber sicher sehr gefreut. Auch ich freue mich, wenn ich so tolle Bananen weiterverarbeiten und essen kann. Und ich freue mich, wenn andere Menschen sich über die Bananen freuen, sie in Altenheimen, auf Kinderfreizeiten oder bei Freunden und Bekannten weiterverteilen. Aber ich bin auch nachdenklich.
Die Banane hat einen weiten Weg bis zu uns. Die meisten Bananen kommen aus Ecuador, Kolumbien, Costa Rica und Panama. Größtenteils werden sie dort auf Plantagen in Monokultur angebaut. Die Menschen auf den Plantagen arbeiten oft unter schlechten Bedingungen, die Löhne reichen nicht aus, um sich und ihre Familien zu versorgen. Bananenpflanzen brauchen nicht nur viel Wasser (500 l für 1 kg Bananen), sondern werden auch oft während des Wachstums in Plastikfolien eingehüllt, sodass viel Müll entsteht. Und dann werden mit Flugzeugen großflächig Pestizide über den Plantagen versprüht, damit die Pflanzen nicht von Schädlingen befallen werden. Das Gift verseucht so nicht nur Böden und Gewässer, sondern trifft auch die Menschen, die auf den Feldern arbeiten („zum Glück“ waren „unsere“ Bananen Bio-Bananen).
Nach der Ernte werden die geernteten Früchte mit dem Schiff zu uns transportiert, kommen in die Reifekammer und dann, warum auch immer, sind sie übrig. Würde foodsharing sie nicht abholen, wären sie im Abfall-Container gelandet. Der Wasserverbrauch, die Monokultur, das Plastik, die Pestizide und die mühsame Arbeit der Menschen auf den Plantagen, alles wäre umsonst gewesen. In welcher Welt leben wir, dass wir es uns leisten können (oder wollen), so zu wirtschaften?
Aber offensichtlich ist es günstiger, die Bananen an foodsharing weiter zu geben (oder zu entsorgen), als einen anderen Weg zu gehen. Die Bananen, die wir bei foodsharing bekommen, sind kostenlos, aber jemand anders hat bezahlt.
Ich bin froh, dass ich die Bananen retten kann, dass sich der Betrieb für eine Kooperation mit foodsharing entschieden hat. Ich bin sehr froh, dass Menschen von hier die Bananen von mir retten. Und ich freue mich auch, wenn sich Menschen über die Bananen freuen. Aber ich bin auch nachdenklich.
Du hast auch einen Gedanken, ein Essay oder ein Thema, das du im Newsletter teilen möchtest? Melde dich gerne bei uns unter freundeskreis@foodsharing.de!
🎓 Bildung: Impulse aus der foodsharing Akademie
Um das Ernährungssystem langfristig zu verändern, reicht das Abholen von Lebensmitteln allein nicht aus. Wir müssen aufklären! Genau hier setzt die foodsharing Akademie an. Sie bietet Workshops, Materialien und Fortbildungen an, um das Thema Lebensmittelwertschätzung an Schulen und in die breite Gesellschaft zu tragen.
Habt ihr gewusst, dass es fertige "Materialkoffer" gibt, die ihr euch für die Bildungsarbeit in eurem Bezirk ausleihen könnt? Oder dass die Akademie regelmäßig Multiplikator:innen ausbildet? Schaut unbedingt mal auf der Website vorbei und nutzt diese großartigen Ressourcen für eure lokale Bildungsarbeit!
Zur foodsharing Akademie
🌍 foodsharing überregional: Was passiert im Hintergrund?
foodsharing lebt nicht nur von den lokalen Abholungen, sondern auch von der Arbeit, die netzwerkweit im Hintergrund stattfindet. Hier sind zwei aktuelle Themen, die uns beschäftigen:
Eigener Tag der Lebensmittelrettung
Wusstest du, dass ihr als Bezirk einen eigenen, lokalen "Tag der Lebensmittelrettung" veranstalten könnt? Alle innerhalb von 24 Stunden geretteten Lebensmittel an einem zentralen Ort ausstellen – eine solche Aktion ist ein großartiger Weg, um vor Ort Aufmerksamkeit für unser Anliegen zu schaffen. 👉 Für alle angemeldeten Foodsaver:innen: Im Forum gibt es aktuelle Infos, Erfahrungswerte und Infotreffen dazu, wie ihr so ein Event bei euch auf die Beine stellen könnt.
Die AG Corporate Identity (CI)
Wusstest du, dass es eine eigene Arbeitsgruppe (AG) gibt, die sich mit dem visuellen Auftritt von foodsharing beschäftigt? Die AG "Corporate Identity" arbeitet unter anderem an einem "Corporate Design". Also daran, dass unsere Flyer, Banner, Social-Media-Posts und auch dieser Newsletter einen einheitlichen und professionellen Wiedererkennungswert haben. Das hilft enorm dabei, von Kooperationspartnern, der Presse und der Politik ernst genommen zu werden. Hut ab vor den Freiwilligen, die sich hier mit Design und Struktur einbringen!
📍 Bezirk im Fokus
In dieser Ausgabe pausiert unsere klassische Bezirksvorstellung. Aber hier kommt ihr ins Spiel!
Habt ihr in eurer Lokalgruppe kürzlich ein spannendes Netzwerk aufgebaut, ein Aufklärungsprojekt an einer Schule gestartet oder ein besonders kreatives Event organisiert? Wenn ihr euren Bezirk und eure Arbeit im nächsten Newsletter vorstellen möchtet, schreibt uns gerne eine kurze Mail an freundeskreis@foodsharing.de. Wir freuen uns darauf, eure Geschichten mit dem ganzen Netzwerk zu teilen!
💚 Eure Unterstützung macht uns stark
Hinter den Kulissen von foodsharing arbeiten viele Menschen ehrenamtlich daran, unsere Plattform und Strukturen am Laufen zu halten. Ganz ohne Geld geht es aber leider nicht: Wir finanzieren damit unseren Datenschutz, die rechtliche Absicherung, unsere Buchhaltung und die koordinative Begleitung all dieser wichtigen Aufgaben. Zudem ermöglicht finanzielle Unterstützung die Bildungsarbeit der foodsharing Akademie.
Um völlig unabhängig zu bleiben, finanzieren wir all das über Spenden aus dem Freundeskreis. Gleichzeitig gilt: Wer kein Geld spenden kann oder möchte, unterstützt foodsharing nicht weniger und ist genauso eingeladen, Teil unserer Bewegung zu sein. Die Zeit und Energie, die in Orga-Arbeit, politisches Engagement und Rettungseinsätze fließen, sind und bleiben das Fundament unserer Arbeit.
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