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Sommer, Festivals & eine große Initiative

Liebe/r liebe/r Lebensmittelretter/in,

der Juni ist da und das Leben verlagert sich nach draußen! Wir verbringen laue Abende auf dem Balkon, schlendern über Wochenmärkte oder tanzen auf Festivals.

In dieser Ausgabe starten wir mit einem starken Community-Essay über 4000 Tonnen gerettete Kartoffeln und schauen uns an, wie wir auch im Sommer aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen können – von einer großen europäischen Bürgerinitiative, die aktuell unseren Rückenwind braucht, über Aufklärungsarbeit auf Festivalgeländen bis hin zu leckeren Rezepten für überreifes Sommerobst.

Viel Spaß beim Lesen und Welt-verändern!


📢 Essay: 4000 Tonnen Kartoffeln

Wir freuen uns sehr, heute wieder einen Gastbeitrag aus unserer Community mit euch zu teilen. Er beleuchtet kritisch das Dilemma hinter riesigen Rettungsaktionen.

Im Januar dieses Jahr gab es ein etwas ungewöhnliches Angebot für Berlin: Wir schenken euch 4000 Tonnen Kartoffeln. Wir, das waren die Berliner Morgenpost, die Suchmaschine Ecosia und die Osterland Agrar GmbH. Und euch, das waren Menschen in Berlin, die mindestens eine Tonne Kartoffeln verteilen konnten. Aber wieso verschenken sie das? Weil die Kartoffeln übrig waren.

Es war ein gutes Kartoffeljahr, der Markt war übersättigt und deshalb hat die Osterland Agrar GmbH die Kartoffeln nicht mehr loswerden können. So wurden sie also von Sachsen nach Berlin gefahren, die Transportkosten von Ecosia übernommen. Viele Freiwillige organisierten zentrale Verteilstellen, von wo aus die Kartoffeln unter die Leute kamen. Über die Tafeln sind die Kartoffeln auch vielen Menschen mit kleinem Geldbeutel zu Gute gekommen. Eine tolle Aktion, ein gemeinsamer Kraftakt. Alles gerettet, alles gut?

Naja. Die Idee hat neben viel Lob auch viel Kritik geerntet. Die größte Kritik kam aus der Landwirtschaft rund um Berlin – denn 4000 Tonnen Kartoffeln sind genug, um den kompletten Berliner Naturkostmarkt für ein Jahr zu beliefern. Der Transport von so vielen Kartoffeln von Sachsen nach Berlin führt also mit dazu, dass die regionale ökologische (Kartoffel-)Landwirtschaft rund um Berlin ihre Kartoffeln nicht loswird und entsorgen muss. Die „Rettung“ der Kartoffeln hat das Problem also nicht behoben, sondern nur verschoben. (Außer, alle essen doppelt so viele Kartoffeln wie bisher. Wir sind ja flexibel.)

Dazu kommt noch: Die kleinen Kartoffel-Betriebe rund um Berlin verkraften es nicht gut, wenn sie ihre Ernte in einem Jahr entsorgen müssen. Sie haben einen geringen finanziellen Puffer und können so in große Geld-Schwierigkeiten geraten. Eine gut gemeinte Aktion eines einzelnen Betriebs könnte also viele kleine andere Betriebe schwer schädigen. Man könnte es also sogar noch dreister formulieren: Die Osterland GmbH muss ihren Überschuss loswerden (deshalb Kartoffeln verschenken), will Entsorgungskosten sparen (deshalb zieht sie Ecosia als Partnerin an Land), den eigenen Markt in Sachsen nicht verzerren (deshalb verschenkt sie in Berlin) und am Ende viel positive Presse ernten (deshalb nennt sie das Ganze „Rettung“).

Tja.

Wisst ihr, was ich dachte, als ich etwas mehr darüber nachdachte? Meine Güte, es ist kompliziert. Mein Foodsaverinnen-Herz will kein Lebensmittel entsorgen und erst recht keine 4000 Tonnen Kartoffeln. Jede Kartoffel zählt! Mein Foodsaverinnen-Herz will aber auch keine Lebensmittel retten, die dann für Verschwendung an anderer Stelle sorgen. Ganz tief drinnen will mein Foodsaverinnen-Herz, dass ich mir gar nicht die Frage stellen muss, ob ich ein Lebensmittel retten muss, weil keine Lebensmittel übrig bleiben. Und schon gar keine 4000 Tonnen.

Mein Foodsaverinnen-Herz will, dass die Landwirtschaft auf kleinen Höfen – ökologisch und mit der Natur, … dass das die Landwirtschaft ist, die uns ernährt. Zu der wir direkt vor Ort eine Verbindung haben. Und dass wir deshalb die Lebensmittel schätzen, die wir essen. Und weil ich die Arbeit der Menschen, die diese Lebensmittel produzieren, schätze, zahle ich auch gerne etwas (mehr) dafür. Sogar lieber, als Kartoffeln von weit weg in großer Menge geschenkt zu bekommen.

Unrealistisch? Mag sein. Wünsch ich mir trotzdem.

Zum Glück lebe ich nicht in Berlin und muss mir nicht die Frage stellen, ob ich eine Tonne Kartoffeln verteilen kann. Aber wenn ich dort leben würde… wahrscheinlich hätte ich es nicht gemacht.

Du hast auch einen Gedanken, ein Essay oder ein Thema, das du im Newsletter teilen möchtest? Melde dich gerne bei uns unter freundeskreis@foodsharing.de!

📢 Ernährungspolitik: Good Food For All!

Um Lebensmittelverschwendung wirklich an der Wurzel zu packen, braucht es einen systemischen Wandel in ganz Europa. Deshalb hat sich foodsharing der Europäischen Bürgerinitiative "Good Food For All" angeschlossen!

Unser gemeinsames Ziel: Wir fordern die Europäische Union auf, den Übergang zu einem nachhaltigen, gerechten und zukunftsfähigen Ernährungssystem gesetzlich zu verankern. Damit diese Bürgerinitiative erfolgreich ist und von der EU-Kommission behandelt werden muss, brauchen wir 1 Million gültige Unterschriften aus der gesamten EU.

Das braucht jetzt richtig Rückenwind! Ihr könnt die Initiative nicht nur online mit eurer eigenen Stimme unterstützen, sondern auch aktiv Unterschriften sammeln – egal ob digital im Freundeskreis oder ganz analog mit ausgedruckten Listen an eurem nächsten Infostand, beim Fairteiler-Putzen oder auf der Straße.

Jetzt informieren und unterschreiben

🎓 Bildung: Aufklären vor den Ferien

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, das Thema Lebensmittelverschwendung in eine Schule zu tragen? Gerade jetzt, in der oft entspannteren Zeit vor den Sommerferien, gibt es dafür gute Gelegenheiten!

Damit ihr nicht bei Null anfangen müsst, bietet die foodsharing Akademie großartige Unterstützung. Auf der Website findet ihr unter anderem das "Methodenbuffet" – vollgepackt mit fertigen Bildungsunterlagen, Spielen und einem Veranstaltungsvorschlag speziell für Kinder. Und falls ihr etwas Handfestes braucht: Es gibt auch "Materialkoffer", die ihr euch für die Bildungsarbeit in eurem Bezirk ausleihen könnt. Schaut mal vorbei!

Zu den Materialkoffern & Methoden

🌍 foodsharing überregional: Die Festival-Saison beginnt!

Juni bedeutet Festivalzeit! Und wo zehntausende Menschen tagelang feiern, bleiben am Ende oft bergeweise haltbare Lebensmittel auf den Campingplätzen zurück.

Wir organisieren deshalb großartige Festival-Rettungsaktionen, bauen foodsharing-Infozelte auf den Geländen auf und betreiben direkt vor Ort einen Fairteiler. Eine tolle Arbeit, die Foodsaver:innen in den kommenden Wochen ehrenamtlich auf Zeltplätzen leisten, um essbare Schätze vor der Tonne zu bewahren und vor Ort über Lebensmittelverschwendung zu informieren!

👉 Für alle angemeldeten Foodsaver:innen: Hast du Lust, selbst ein Festival-Team zu unterstützen? Im Forum sowie in den bundesweiten und regionalen Festival-Gruppen findest du alle Infos dazu, wo aktuell noch Helfende für Einsätze gesucht werden. Klick dich direkt hier in den Info-Thread!

📍 Bezirk im Fokus

In dieser Ausgabe pausiert unsere klassische Bezirksvorstellung. Aber hier kommt ihr ins Spiel!

Habt ihr in eurer Lokalgruppe kürzlich ein spannendes Netzwerk aufgebaut, ein Aufklärungsprojekt an einer Schule gestartet oder ein besonders kreatives Event organisiert? Wenn ihr euren Bezirk und eure Arbeit im nächsten Newsletter vorstellen möchtet, schreibt uns gerne eine kurze Mail an freundeskreis@foodsharing.de. Wir freuen uns darauf, eure Geschichten mit dem ganzen Netzwerk zu teilen!

💚 foodsharing bleibt unabhängig – dank euch!

Hinter den Kulissen von foodsharing arbeiten viele Menschen ehrenamtlich daran, unsere Plattform und Strukturen am Laufen zu halten. Ganz ohne Geld geht es aber leider nicht: Wir finanzieren damit unseren Datenschutz, die rechtliche Absicherung, unsere Buchhaltung und die koordinative Begleitung all dieser wichtigen Aufgaben. Zudem ermöglicht finanzielle Unterstützung die Bildungsarbeit der foodsharing Akademie.

Um völlig unabhängig zu bleiben, finanzieren wir all das über Spenden aus dem Freundeskreis. Gleichzeitig gilt: Wer kein Geld spenden kann oder möchte, unterstützt foodsharing nicht weniger und ist genauso eingeladen, Teil unserer Bewegung zu sein. Die Zeit und Energie, die in Orga-Arbeit, politisches Engagement und Rettungseinsätze fließen, sind und bleiben das Fundament unserer Arbeit.

Finanziell unterstützen

🌱 Saison-Check: Die Sommer-Ernte beginnt

Der bewusste Griff zu saisonalen und regionalen Produkten spart weite Transportwege und schont wertvolle Ressourcen. Aktuell haben Saison:

  • Kirschen & Beeren: Die absoluten Stars im Juni. Rote Johannisbeeren, Himbeeren und Süßkirschen reifen jetzt in großen Mengen.
  • Zucchini: Sie starten jetzt richtig durch. Wer sie schon mal selbst gepflanzt hat, weiß: Von Null auf Riesenzucchini vergehen oft nur wenige Tage!
  • Frische Salate & Radieschen: Kopfsalat, Rucola und Radieschen sind jetzt besonders knackig und erfrischend.

🧑‍🍳 Kreative Resteküche: Matschiges Sommerobst

Gerade bei geretteten Erdbeeren, Himbeeren oder Kirschen sind im Sommer oft Früchte dabei, die schon sehr weich sind oder Druckstellen haben. Zum pur Essen oft nicht mehr so verlockend, aber viel zu schade für den Kompost!

Ab in den Teig!
Schneidet unschöne Stellen einfach weg. Die restlichen, sehr weichen Früchte lassen sich perfekt pürieren und als fruchtige Basis für ein Dessert, eine schnelle Marmelade (zum Andicken einfach etwas Chia-Samen unterrühren) oder für saftige, vegane Sommer-Muffins verwenden. Einfach unter den Teig heben, im Backofen ausbacken und retten, was das Zeug hält!

Wir wünschen euch weiterhin viel Energie beim Retten, Aufklären und Welt-verändern!

Sophia, Mattes und Frank vom Newsletter Team

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